· 

Michael Wolf - in den Deichtorhallen

Die zwölf Werkserien und eine riesige Wandinstallation umfassende Ausstellung MICHAEL WOLF − LIFE IN CITIES im Haus der Photographie hat mich sehr beeindruckt. Es fasziniert mich die Anfänge in den 70er Jahren, die Dokumente des Lebens im Ruhrgebiet  und die jüngsten Arbeiten zu sehen. Sie zeigen die Lebensbedingungen in Metropolen in großformatigen freihängenden Fotoformaten sowie Instalation und Zusammenstellungen von Fundstücken wie z.B. Sitzgelegenheiten in den Straßen Hongkongs.

Das Herzstück der Ausstellung im Haus der Photographie ist Michael Wolfs beeindruckende Wandinstallation The Real Toy Story (2004–2018). Über 20.000 Billigspielzeuge »Made in China« bilden den Rahmen für Porträtfotos von Arbeiter*innen in chinesischen Spielzeugfabriken. Die schüchternen und manchmal resignierten Gesichter der einzelnen Personen stehen in scharfem Gegensatz zur überwältigenden Anzahl heiter-bunter Spielzeuge aus der industriellen Massenproduktion.

Ein Mann mit einem Mundschutz drückt sein Gesicht gegen eine beschlagene Fensterscheibe einer U-Bahn, in einem grauen Hochhaus sind Bewohner in ihren hell erleuchteten Räumen zu sehen, wie sie Golf spielen, arbeiten oder anderen Aktivitäten nachgehen. Die Bilder des deutschen Fotografen Michael Wolf reflektieren die Lebens- und Arbeitsbedingungen in Metropolen wie Hongkong, Tokio, Chicago und Paris. Dabei sind überfüllte U-Bahnen und winzige Wohnungen, in denen sich ihre Bewohner so gut es geht einrichten nur zwei Phänomene, die überbevölkerte Großstädte besonders in Asien kennzeichnen und mit denen sich ihre Bewohner Tag für Tage aufs Neue arrangieren. Bevölkerungsdichte, der Mangel an Privatssphäre, Voyeurismus und Massenkonsum sind die zentralen Themen des Fotografen, der selbst über viele Jahre in Hongkong lebte und dort als Vertragsfotograf für das Stern-Magazin arbeitete. Er dokumentiert den ständigen Wandel der Metropolen, hält die Brutalität aber auch die Schönheit dieser Städte fest.

Elf Werkserien und eine riesige Installation

Insgesamt elf Werkserien stellt das Haus der Photographie aus. Neben den bereits genannten sind das "Bottrop-Ebel" (1976), "Bastard Chairs" (2001-2017), Installation "Informal Solutions" (2003 bis heute), "The Real Toy Story" (2004-2018), "Transparent City" (2006), "100x100" (2006), "Street View" (2008-2011), "Tokyo Compression" (2010-2013), "Paris Rooftops" (2014), "Hong Coat Hangers" (2016-2018). Damit deckt die Ausstellung ein breites Spektrum ab, zeigt Werke von Wolfs Anfängen als Dokumentarfotograf und sogar ganz neue, bisher unveröffentlichte Arbeiten. Besonders ist die Installation "The Real Toy Story" auch deshalb, weil sie mit ihren Dimensionen von 23 x 4,5 Metern die größte bisher gezeigte Installation in den Deichtorhallen ist. Über 20.000 bunte Spielzeuge hat der Künstler dafür versammelt und sie zwischen Porträts von Fabrikarbeitern platziert. 

Michael Wolf

Michael Wolf wurde 1954 in München geboren, wuchs in den USA und Kanada auf. Für seine Ausbildung kehrte er nach Deutschland zurück, wo er zwischen 1972 und 1976 von Otto Steinert an der Folkwang-Schule in Essen unterrichtet wurde. Er ist Dokumentarfotograf und autonomer visueller Künstler und gewann 2009 in gleich zwei Kategorien den World Press Photo Award, der der wichtigste Preis für Fotojournalisten ist. Seine Arbeiten sind in vielen Sammlungen auf der ganzen Welt vertreten und werden in zahlreichen Museen ausgestellt.

                                                                                       (Textauszüge zur Ausstellung von den Deichtorhallen)

Hier meine Anmerkungen:

Die Ausstellungen in den Deichtorhallen sind immer sehr interessant, zum Einen durch die Auswahl der Fotografen, durch die Präsentation und auch das Publikum, das immer wieder sehr unterschiedlich ist. Bei Michael Wolf war ein sehr quirliges und junges Publikum anwesend, ganze Schulklassen kamen kurz vor dem Ende der Ausstellung, das ergab eine  ständige schnelle Veränderung.

Die Vielfältigkeit zu einem umfassenden Thema war großartig: in den Formaten, den Motiven, der fantasievollen Hängung, den Installationen, den Videoschnippseln und Fundstücken. Dazwischen eine Wand mit dramatischen Himmelfotos  und pixeligen vergrößerten Ausschnitten. und Fotos, die wie gemalt aussehen!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0